DADA negligé

DADA negligé

DADA negligé

Der DADA ist ein alter Hut, das war er schon immer

Der DADA-Geist war seit je, auch lang vor DADA, ein Grund­nahrungs­mittel für alle innovativen Künstler_innen – nur hatte es vorher niemand so präzise (nicht) auf den Punkt gebracht.

Ist DADA ein Pferd?
Ist DADA ein Huhn?
Ist DADA ein alter Hut?
Nichts von allem.
Aber alles von nichts.
Dem DADA neue Wäsche!

 

Elektronisches Environment 2016

Credits:
Video: Computeranimation, Grafik, Fotografie, Videoperformance, Kamera, Schnitt, Produktion: GRAF+ZYX 1977–2016
Musik: Komposition, Arrangement, Text, Instrumente, Gesang, Produktion: GRAF+ZYX 1972–2015
Fotocredits: (C) GRAF+ZYX / Bildrecht

Der DADA ist ein alter Hut, das war er schon immer

Der DADA-Geist war seit je, auch lang vor DADA, ein Grundnahrungsmittel für alle innovativen Künstler_innen – nur hatte es vorher niemand so präzise (nicht) auf den Punkt gebracht.

Denn er hängt eng mit der uralten Frage zusammen, wie und ob überhaupt wir in der Lage sind, die vermeintlich reale Welt auch nur annähernd objektiv zu erfassen und zu erleben.
Und ob Eindeutigkeiten überhaupt je begründbar sind.
Und ob zwischenmenschliche Kommunikation überhaupt möglich ist oder nur eine überlebensstrategische Illusion.
Und ob logisches Denken überhaupt für irgendetwas taugt und Zufallsentscheidungen nicht weit kreativere Lösungsansätze für sämtliche Problemstellungen bieten.

Jedenfalls: Ohne eine Prise DADA ist Kunst keine Kunst.

DADA ist nutzlos. DADA ist sinnlos.
Deshalb kann DADA Kunst und deshalb kann DADA Politik.
Und zwar nicht durch Codierung konkreter politischer Forderungen oder Modelle, die in der Kunst überhaupt nichts verloren haben, weil politische Statements Kunst so wenig wie andere Verwässerungen brauchen, sondern durch die Bewusstmachung der Absurdität von gesellschaftlichen Übereinkünften und Regelwerken.

Das DADA-Gen manifestiert sich also schon immer bei allen guten Künstler_innen, weil ihnen ihre Eigenständigkeit über breite gesellschaftliche Akzeptanz geht; zumindest in Form von Auflehnungsäußerungen gegen tradierte ästhetische und inhaltliche Regeln in Gesellschaft und insbesondere in Kulturbetrieb und Kunstmarkt.

Wir nehmen uns selbst nicht ernst, verlangen aber selbstverständlich von anderen, uns ernst zu nehmen.
Und überhaupt leben wir die Egalität von Gegensätzen:
DADA ist tot. DADA ist ewig.
Denn wenn das Eine stimmt, stimmt auch sein Gegenteil, auch das Gegenteil von dem, was wir hier schreiben, oder auch nicht.

DADA negligé – dem DADA neue Wäsche

DADA negligé ist zunächst spontan und ohne theoretische Hintergedanken entstanden, aber stimmige Kunst braucht stimmige Konzepte (schon Kunsttheorie und -vermittlung zuliebe), die natürlich auch im Nachhinein lieferbar sind.

Unser Zugang zum Thema könnte also gewesen sein, dass der DADA-Geist immer wesentliche Inputs in künstlerische Arbeit liefern wird – hoffentlich, denn sonst ist es um die Kunst geschehen.

Nicht mehr aktuell wäre allerdings die Formensprache des DADA der 10er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, und so hätten wir mit unserer eigenen Übersetzung dem DADA einfach erneuernde Dessous verpasst.

Und immer gilt: Wir pfeifen auf die Realität, wenn sie sich aufführt wie unsere Gegenwart.

DADA ist sinnlos, DADA ist nutzlos – und bleibt deshalb unentbehrlich.

Tetra-Pack-System

Tetra-Pack-System

Tetra-Pack-System

Elemente dieses Environments sind zurzeit Teil der Hauptausstellung 2020 im

Museum Liaunig
o.T.

20. Mai bis 31. Oktober 2020

Kuratiert von Dieter Bogner.

Waltraut Cooper, Heinz Gappmayr, Jakob Gasteiger, Roland Goeschl, GRAF+ZYX, Peter Kogler, Hans Kupelwieser, Josef Mikl, Helga Philipp, Markus Prachensky, Karl Prantl, Arnulf Rainer, Gerwald Rockenschaub, Peter Sandbichler, Esther Stocker, Jorrit Tornquist, Fritz Wotruba, Heimo Zobernig, Leo Zogmayer

GRAF+ZYX : MEDIEN­SYN­THETISCHE PROGRAMME

… Unser künstlerisches Interesse lag immer schon in der Erfindung originärer, künstlicher Situationen und Räume unter Anwendung der neuen Medien wie Video, Fotografie und Musik, aber auch der traditionellen bildnerischen Techniken. Unser Gestaltungsprinzip wird von uns immer unter die Prämisse Ästhetisierung des Alltags gestellt: Der Künstler muss in reale Alltagssituationen so weit eingreifen, dass diese ihre Bedeutung für diesen ‚Alltag‘ verlieren und durch diese bewussten, radikalen und massiven Eingriff neue ästhetisch-inhaltliche Qualitäten höherer Ordnung entstehen. Den Begriff Ästhetisierung des Alltags wandten wir erstmals 1979 auf unsere künstlerische Arbeit an …
GRAF+ZYX 1985

Personale in der Galerie Vayhinger

17.6.–28.7.1985

Ausschnitt aus dem Katalog Die 80er | MoPA 1985, Museum of Private Arts 2020