Die Verwaltung des voyeuristischen Blicks

Die Verwaltung des voyeuristischen Blicks

DIE VER­WAL­TUNG DES VOYEU­RIS­TI­SCHEN BLICKS

Der Körper als Roh­material in der Kunst

Unser möglichst subjektiver Beitrag zum Schiele-Jahr 2018 als Antwort auf die jeder entschlossenen Kunst inhärente Forderung nach radikal-innovativer Ästhetik und inhaltlicher Autarkie.
TANK 203.3040.AT: September 18

] Die Uto­pie [

GRAF+ZYX plädieren in ihren Konzepten für die Wiederannäherung an bereits gesellschaftlich verdrängte Gestaltungsmöglichkeiten wie Konzentration auf Persönliches, Fiktives und »Handgemacht«-Perfektes und eine an das futuristische Manifest angelehnte Zukunftsvision, der reizvollen Perspektive der [Er]Schaffung neuer, noch nie dagewesener künstlicher Welten und Identitäten. So enthalten ihre medienübergreifenden Arbeiten die persönliche Liebeserklärung an das Maschinenzeitalter und favorisieren das Modell der intimen Verschmelzung von Mensch und Maschine. Ungebrochener humanoider Gestaltungswille in enger Symbiose mit einer beherrschbaren, durchschaubaren, der persönlichen Erweiterung dienenden und unter diesem Aspekt gar nicht mehr so »kalten« Technik.

Und ohne auf die Darstellung realistischer Selbstportraits mit autobiografischem Bezug oder auf konkret gesellschaftspolitische Referenzen als Erfolg versprechende Kommunikationsmodule zurückzugreifen, formulieren sie mit ihren Bild-, Sounds- und Textpassagen die tristen, aber ästhetisch durchaus reizvollen Aspekte eines zivilisierten [Innen]Lebens, jenseits des normalen Alltags an der Schwelle zur Utopie.

Aspekte eines zivili­sierten [Innen]­Lebens jenseits des normalen Alltags an der Schwelle zur Utopie

Die Klessheim-Borg-Connection feat. Schwanensee

Die Klessheim-Borg-Connection feat. Schwanensee

Die Klessheim-Borg-Connection feat. Schwanensee

Im Geist von It Wasn’t Us – But Then Again It Was

Ein 2017 um Bilder, Musik und Video­installation erweitertes Revival unseres Hörraums zu Mozarts Kammermusik als Teil der Salzburger Landesausstellung Mozart – Bilder und Klänge, 1991, Schloss Kleßheim.

DADA negligé

DADA negligé

DADA negligé

Der DADA ist ein alter Hut, das war er schon immer

Der DADA-Geist war seit je, auch lang vor DADA, ein Grund­nahrungs­mittel für alle innovativen Künstler_innen – nur hatte es vorher niemand so präzise (nicht) auf den Punkt gebracht.

Ist DADA ein Pferd?
Ist DADA ein Huhn?
Ist DADA ein alter Hut?
Nichts von allem.
Aber alles von nichts.
Dem DADA neue Wäsche!

 

Elektronisches Environment 2016

Credits:
Video: Computeranimation, Grafik, Fotografie, Videoperformance, Kamera, Schnitt, Produktion: GRAF+ZYX 1977–2016
Musik: Komposition, Arrangement, Text, Instrumente, Gesang, Produktion: GRAF+ZYX 1972–2015
Fotocredits: (C) GRAF+ZYX / Bildrecht

Der DADA ist ein alter Hut, das war er schon immer

Der DADA-Geist war seit je, auch lang vor DADA, ein Grundnahrungsmittel für alle innovativen Künstler_innen – nur hatte es vorher niemand so präzise (nicht) auf den Punkt gebracht.

Denn er hängt eng mit der uralten Frage zusammen, wie und ob überhaupt wir in der Lage sind, die vermeintlich reale Welt auch nur annähernd objektiv zu erfassen und zu erleben.
Und ob Eindeutigkeiten überhaupt je begründbar sind.
Und ob zwischenmenschliche Kommunikation überhaupt möglich ist oder nur eine überlebensstrategische Illusion.
Und ob logisches Denken überhaupt für irgendetwas taugt und Zufallsentscheidungen nicht weit kreativere Lösungsansätze für sämtliche Problemstellungen bieten.

Jedenfalls: Ohne eine Prise DADA ist Kunst keine Kunst.

DADA ist nutzlos. DADA ist sinnlos.
Deshalb kann DADA Kunst und deshalb kann DADA Politik.
Und zwar nicht durch Codierung konkreter politischer Forderungen oder Modelle, die in der Kunst überhaupt nichts verloren haben, weil politische Statements Kunst so wenig wie andere Verwässerungen brauchen, sondern durch die Bewusstmachung der Absurdität von gesellschaftlichen Übereinkünften und Regelwerken.

Das DADA-Gen manifestiert sich also schon immer bei allen guten Künstler_innen, weil ihnen ihre Eigenständigkeit über breite gesellschaftliche Akzeptanz geht; zumindest in Form von Auflehnungsäußerungen gegen tradierte ästhetische und inhaltliche Regeln in Gesellschaft und insbesondere in Kulturbetrieb und Kunstmarkt.

Wir nehmen uns selbst nicht ernst, verlangen aber selbstverständlich von anderen, uns ernst zu nehmen.
Und überhaupt leben wir die Egalität von Gegensätzen:
DADA ist tot. DADA ist ewig.
Denn wenn das Eine stimmt, stimmt auch sein Gegenteil, auch das Gegenteil von dem, was wir hier schreiben, oder auch nicht.

DADA negligé – dem DADA neue Wäsche

DADA negligé ist zunächst spontan und ohne theoretische Hintergedanken entstanden, aber stimmige Kunst braucht stimmige Konzepte (schon Kunsttheorie und -vermittlung zuliebe), die natürlich auch im Nachhinein lieferbar sind.

Unser Zugang zum Thema könnte also gewesen sein, dass der DADA-Geist immer wesentliche Inputs in künstlerische Arbeit liefern wird – hoffentlich, denn sonst ist es um die Kunst geschehen.

Nicht mehr aktuell wäre allerdings die Formensprache des DADA der 10er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, und so hätten wir mit unserer eigenen Übersetzung dem DADA einfach erneuernde Dessous verpasst.

Und immer gilt: Wir pfeifen auf die Realität, wenn sie sich aufführt wie unsere Gegenwart.

DADA ist sinnlos, DADA ist nutzlos – und bleibt deshalb unentbehrlich.